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Sail-Kolumne

15.08.2005

Maritime Grüße aus der Dunkelkammer

Im Zeitalter der digitalen Fotografie gerät die Dunkelkammer so langsam in Vergessenheit. Das ist schade, denn das auf dem Display sofort sichtbare Schnappschussresultat ist weit weniger spannend als der Entwicklungsprozess im finsteren Fotolabor, wenn die Fotografien so langsam Schärfe annehmen.

Peter Rath, langjährig verantwortlich für die Druckerzeugnisse des Hanse Sail Büros, hatte nach der 14. Hanse Sail 2004 seinen Rückzug verkündet. Wie sich nun, ein Jahr später, herausstellt, war das ein Scheinrückzug in die Dunkelkammer, um unmittelbar vor der 15. Hanse Sail Ende Juli mit einem neuen, seinem bisher umgangreichsten Produkt, an das Licht der Öffentlichkeit zu treten. "Hanse Sail Rostock. Wo man sich begegnet!" lautet der Titel des vom Hanse Sail Verein herausgegebenen Bandes (Preis 31,00 EUR).

Das ist nun wahrhaftig kein digitaler Schnellschuss und schon gar kein Schnappschuss, sondern hier musste Rath in einer außerordentlichen Fleiß- und Kleinarbeit ein ganz dickes Brett bohren. Das Buch im Format 32 x 24 Zentimeter hat 304 Seiten und enthält 600 Fotos, davon 40 ganzseitige. Die ersten 200 Seiten sind eine Enzyklopädie über 250 Traditionsschiffe, die seit 1991 an der Rostocker Sail teilgenommen haben. Im letzten Drittel bündelt der ehemalige Marineoffizier das faszinierende Ergebnis von anderthalb Jahrzehnten Hanse Sail Bewegung und der wichtigsten Partner.

In einer historisch kurzen Zeit ist nicht nur das weltweit größte jährlich stattfindende Fest mit Traditionsschiffen gewachsen, sondern hier ist mit ostdeutschem Selbstbewusstsein ein Leuchtturm entstanden, der weit in die Ostsee hinausstrahlt und zu einem wichtigen Wirtschafts- und Kulturfaktor in Nordostdeutschland geworden ist. Von der Baltic Sail Bewegung ist in den einzelnen Kapiteln ebenso die Rede, wie von der Deutschen Marine, von Koggen, den Kreuzlinern, dem Museumshafen Rostock und von den kleinen Schiffen mit den braunen Segeln, den Zeesenbooten.

Natürlich bleiben Lücken, selbst in einem so umfangreichen Band, die Autor und Herausgeber selbst ansprechen. Zum Beispiel bei der Beschreibung von kleinen Traditionsseglern. In der Nachbetrachtung des Autors lautet der letzte Satz: Und so versteht sich der vorliegende Band als ein erster Versuch, ohne in allem richtig und vollständig zu sein. Das klingt ganz nach einer nächsten Dunkelkammerzeit des energiegeladenen Sail-Chronisten Peter Rath.

Für Liebhaber von Traditionssegelschiffen gibt es jedoch nicht nur etwas Neues für das maritime Bücherregal, sondern auch für die Wand im Wohn-, Arbeits-, oder Bürozimmer. Der großformatige Hanse Sail-Kalender 2006, u.a. mit Fotografien des Schweden Claes Axstal, von Thomas Grundner aus Heiligendamm oder Ulrich Grün aus Bonn ist erschienen und für 12,00 EUR im Hanse Sail Büro erhältlich.

Einer der Fotoautoren in dem Buch von Peter Rath ist in jedem Jahr bei der Hanse Sail dabei, um nicht nur neuen Motiven nachzuspüren, sondern auch die besondere Atmosphäre auf dem großen maritimen Fest an der Warnow zu genießen: Manfred Roth aus Hüttenberg in Hessen. Er ist seit 1995 Regionalbeauftragter der Sail Training Association Germany ( STAG) im Bundesland Hessen. Eine Auswahl seiner Fotos sind bis Mitte Oktober in der Galerie des Hanse Sail Büros zu sehen. Und es ist anzunehmen, dass Peter Rath die eine oder andere Fotografie bereits im Blick hat und sie im Herbst in die berühmte Kammer entführt ...

Klaus-Dieter Block