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Sail-Kolumne

15.03.2006

Volle Fahrt für Traditionssegler - im Saal und auf See

Natürlich findet die Regatta auf Grund des schlechten April-Wetters nicht im Saal statt. Aber geredet wird im Saal über Traditionsschiffe, ihre Nutzung und ihren Erhalt. Der Saal ist in diesem Fall am 7. April der Baltic Point in Warnemünde.

Dass hier über die "Traditionssegelschifffahrt auf den Gewässern Europas" geredet wird, ist dem Baltic Sail Comittee, dem Hanse Sail Büro und der European Maritime Heritage (EMH), dem europäischen Verbund zur Pflege des maritimen Erbes, zu danken.

Der Zeitpunkt, um miteinander zu reden, ist günstig, auch weil es zahlreiche Anlässe gibt. Zum Beispiel das zehnjährige Bestehen der Baltic Sail Bewegung im Ostseeraum mit ihren Mitgliedern Klaipeda, Gdansk, Halmstad, Karlskrona, Helsingör, Travemünde und Rostock, oder der Start eines Interreg III B-EU-Projektes  mit dem schönen Namen MARITOUR, das dem maritimen Tourimus auf und rund um die Ostsee neue Impulse verleihen soll.

Der Konferenz-Zeitpunkt ist nicht nur günstig, sondern auch notwendig, um deutlich zu machen, dass die europäische Flotte an Traditionsseglern nicht erhalten werden, sondern sie im Sinne eines lebendigen Erbes für die Gegenwart und Zukunft genutzt werden muss.

Die EMH ist in die Erarbeitung eines "Green Books" der Europäischen Komission zur Europäischen maritimen Politik eingebunden und hat ein Papier mit dem Titel präsentiert: "Europas maritime Zukunft ist in Europas maritimen Erbe begründet".

Im Warnemünder Baltic Point trifft sich so ziemlich alles, was in der Traditionssegler-Szene Europas Rang und Namen hat. Über 70 Teilnehmer aus Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland, Russland, Estland, Litauen, Polen, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland werden erwartet. Michael vom Baur, EMH-Präsident, ist ebenso dabei wie der St. Petersburger Wladimir Martous vom "Shtandart-Project" oder Mr. Stephen Riley vom National Maritime Museum Greenwich, London.

Dass es bei der Konferenz neben dem Reden auch um das Denken und Handeln geht, zeigt der angekündigte Beitrag des Erbauers der schwedischen Brigg GERDA mit der Überschrift: "Think before you build" - "Denke bevor du baust". Das Ergebnis können die Rostocker und ihre Gäste zur 16. Hanse Sail begutachten, wenn die GERDA an der Warnow festmacht.

Nach einem ganzen Konferenz-Freitag im Saal wird der eine oder andere Teilnehmer zu dem Schluss kommen: "Der Worte sind genug gewechselt, nun lasst uns endlich (Segel-)Taten sehen!" Am Samstag, dem 8. April, besteht hierfür auf der Ostsee vor Warnemünde ausreichend Gelegenheit.

Die Brigantine GREIF und der holländische Dreimast-Schoner ALBERT JOHANNES starten um 10 Uhr ab Baltic Point und tragen ein Schoner-Matchrace unter der Leitung des Warnemünder Segelclubs aus. Dem Sieger winkt die vom Hanse Sail-Büro neu gestiftete "Baltic Sail Match Race Trophy".

Mitsegeln ist bei diesem frühen Start in die Segelsaison an Bord der beiden  Schiffe möglich (45,00 Euro pro Person, Reservierungen unter Telefon 0381-208 52 26).

Und in den Pausen zwischen den Segelmanövern besteht für neugierige Rostocker und ihre Gäste die günstige Gelegenheit, zum Beispiel mit dem Holländer Thedo Fruithof oder dem Schweden Per-Inge Lindquist sehr praktisch über die europäische Zukunft der maritimen Vergangenheit zu reden.

Klaus-Dieter Block