Sail-Kolumne
Das alte „Lied von den Trittbrettfahrern“
Sollte das „Lied von den Trittbrettfahrern“ noch einmal angestimmt werden? Das Lied von Leuten, die gern mitfahren und dafür nichts bezahlen. Der Autor dieser Zeilen hat es an dieser Stelle schon mehrfach gesungen oder gesummt.

Und nun schon wieder? Anlass für die folgende Geschichte ist die Streichung der 100.000 Euro für das Sail-Büro im laufenden Haushaltsjahr durch die Mehrheit der Rostocker Bürgerschaft.
Eine der Ideen im Sail-Büro, dieses Defizit teilweise zu kompensieren, ist ein Brief an Beherbergungsunternehmen, die durch die Attraktivität und eine entsprechende Nachfrage üppige Zimmerpreise und Arrangements während der Sail-Woche realisieren können.
Das Angebot für 217 Hotels in der „Reichweite“ des maritimen Festes besteht darin, das „Hanse Sail Magazin aktuell 2007“, das Anfang Juli erscheint, zum Preis von 4,00 Euro zu kaufen und es auf den Hotelzimmern auszulegen. Als Werbung für die Region und als schöne Geste des Hotels für die Gäste.
Bei solch einer Idee kann man auch schon ein wenig träumen. Für ungefähr 20.000 Gäste ein Sail-Magazin mal vier Euro ... Und Mecklenburg-Vorpommern verfügt über mehr als 77.000 Betten.
Auf den Brief, der nun wahrhaftig kein Bitt- oder Bettelbrief, sondern ein faires Handelsangebot zum gegenseitigen Vorteil ist, reagierten 17 Hotels. Sie haben zusammen etwas mehr als 500 Exemplare des bestellt. 17 Hotels von 217 – das sind noch nicht einmal zehn Prozent. Das ist sowohl tatsächlich als auch symbolisch wenig.
Das „Lied von den Trittbrettfahrern“ muss auch deshalb gesungen werden, um diejenigen hervorzuheben, die im Zug sitzen und dafür einen Preis, sprich eine Sponsorenleistung zahlen, der oft über dem „Gegenwert der Beförderung“ liegt und in der Summe die Sail überhaupt erst möglich macht.
Die Hauptsponsoren Rostocker Brauerei, Coca-Cola, die OSPA und der Ostdeutsche Sparkassenverband sind mit ihrem Engagement wieder im Zug oder besser im Boot. Andere langjährige Partner, wie z.B. Eurawasser, die Reederei Scandlines, das Einkaufszentrum Globus in Roggentin und das Rostocker Autohaus Goldbach sind wieder dabei.
Die Firma Interseroh unterstützt das Hanse-Sail-Büro und den Hanse Sail Verein erstmals finanziell bei der Betreuung der Kadetten der an der Sail teilnehmenden Segelschulschiffe SEDOV, KRUZENSHTERN, DAR MLODZIEZY und CUAUHTEMOC.
Auch Hotels und Restaurants haben ihre Unterstützung als Anzeigenkunden in den Sail-Magazinen oder in der Aktion „Gastliche Mecklenburger“ in diesem Jahr bekräftigt. Die Techem AG („Die regeln das!“) hat einen vierstelligen Betrag zur Verfügung gestellt, um den Streckenfunk während der Hanse Sail zu sichern. Die Eigner der „Blauen Flotte“ haben ebenfalls zusammengelegt, um den traditionellen Hafenstammtisch zu unterstützen.
Und auch über die 17 Hotels kann man sich freuen. Wie z.B. über die Chefin des TRIHOTELS, Ilona Weiß, die neben 100 georderten Heften auch eine Anzeige im Sail-Magazin aktuell schaltet. Auch für das Grandhotel „Kempinski“ in Heiligendamm ist das eine Selbstverständlichkeit. Auf jedem Zimmer, in jeder Suite des Fünf-Sterne-Hotels liegt ein „Hanse Sail Magazin“, in dem vielleicht der eine oder andere Präsident, Regierungschef oder Minister während des G8-Gipfels nach anstrengenden Gesprächen blättert und liest und darüber staunt, dass es hier eines der größten maritimen Feste der Welt gibt ...
Die „Pension & Gaststätte Strandnest in Markgrafenheide“ hat 20 Exemplare bestellt. Das sind 80 Euro. Eine kleine Summe? Das ist einhundert Mal mehr, als gar nicht zu reagieren. Wie z.B. die Trittbrettfahrer.
Klaus-Dieter Block

