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Sail-Kolumne

14.09.2005

Kommen - Gucken - Schreiben

Ein Rückblick auf die Berichterstattung über die Hanse Sail

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, auch bekannt unter dem Kürzel F.A.Z., gehört zu den Spitzenzeitungen Deutschlands und spielt auch in der Weltliga der Printmedien mit. Marketingstrategen hatten vor Jahren die schöne Idee mit dem Satz: Dahinter steckt immer ein kluger Kopf. Ein Bericht über die Hanse Sail in einer Weltzeitung ist also schon etwas. Dazu noch recht opulent und reich bebildert im Reiseblatt vom 18. August 2005.

Der Autor des Beitrages "Leben lernen auf dem Segelschiff" Andreas Obst, kam, sah ... und schrieb (Nachzulesen ist der Artikel unter www.faz.net/deutschlandfeiert.). Der interessierte und intellektuelle Leser in Hessen, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen muss nach der Lektüre des Beitrages zu dem Schluss kommen: So sind sie die Ossis, wendet sich mit Grauen und einem leichten Ekel ab und beschließt, nie zur Hanse Sail zu fahren oder zu fliegen.

Die Rede ist mit Bezug auf die Donnerstagabend-Inszenierung der Rostocker Sail von einer kläglichen Inszenierung, die Repräsentationsveranstaltungen sind anrührend provinziell, das Volk blieb Staffage und der gemeinsame Nenner war, z.B. beim Empfangs der Deutschen Marine: Alle tranken Bier aus Rostock. Im übrigen auch der Erfinder der Hanse Sail, Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling, der bei der Eröffnung der Sail, so Obst, mit schäumendem Bierseidel auf der Bühne zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister auf der Bühne neben Ministerpräsident Ringstorff posierte.

Nun könnte man dagegen halten: Die Hanse-Sail-Tage sind nicht die Wagner-Festspiele, sondern es handelt sich hier um ein maritimes Volksfest. Aber der kritische Blick auf die eine oder andere Inszenierung ist durchaus berechtigt und spornt die Organisatoren an, im Ringen um gehaltvolle Inszenierungen auf mehr Qualität zu setzen.

Kommen - Gucken - Schreiben reicht allerdings nicht aus, um die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Hintergründe und Wirkungen der Rostocker Sail zu erfassen, sondern hier wäre, auch mit Blick auf die Verantwortung einer Weltzeitung, ein gründlicherer und nachdenklicherer Blick hinter die bunten Kulissen des maritimen Festes angebracht gewesen.
So bleibt nach der Lektüre des Beitrages von Andreas Obst leider nur das schale Fazit: Es lebe der politisch-ideologische Seekrieg! Der ist zwischen Bremerhaven und Rostock aufgrund des gleichzeitigen Stattfindens von Traditionsseglertreffen zum Glück nicht ausgebrochen. DIE WELT veröffentlichte am 20. August unter dem Titel "Nimm mich mit, Kapitän" einen Vergleich zwischen der Hanse Sail Rostock und der Sail Bremerhaven. Und dabei kommt die Hanse Sail recht gut weg. Die vier Autoren Gisder, Call, May und Wiese bescheinigen der Hansestadt Rostock u.a. das stärkere Bemühen um die Präsentation von maritimen Traditionen oder im Zusammenhang mit dem Seefliegertreffen eine Kulisse, die an die Zeiten erinnert, als Fluglinien die Ostseebäder verbanden. Auch in diesem Beitrag wird Rostocker Bier getrunken, aber anders als bei Obst!

Im Jahre 2010 findet die nächste Sail Bremerhaven und gleichzeitig die 20. Hanse Sail statt. Wir hätten also fünf Jahre Zeit, um nicht nur das Jubiläum der deutsch-deutschen Wiedervereinigung u.a. mit einer gemeinsamen Inszenierung der maritimen Feste in Ost und West vorzubereiten, sondern auch eine objektive und tiefgründigere Berichterstattung zu üben. Aber vielleicht gelingt's schon eher. Zum Beispiel zur 16. Hanse Sail am zweiten August-Wochenende 2006!

Klaus-Dieter Block