Sail-Kolumne
Mehr als ein Modellversuch
Schiffsmodellausstellung in ehemaligem Museum

Wie viele Versuche haben Vereine, Firmen und Bürger einer Kommune, z.B. den reichen maritimen Fundus der Hansestadt Rostock zu sichern und in angemessener Form der Öffentlichkeit zu präsentieren?
Wie viele Rückschläge, Desinteresse, Skepsis oder auch offene Angriffe vertragen diejenigen, die immer wieder an den "Ketten" des angeblich nicht Machbaren ziehen? Zum Beispiel mit ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen in der Halle 207 auf dem ehemaligen Gelände der Neptun-Werft oder beim Engagement für den Bau der Rostocker Bark PASSATWIND oder mit Dutzenden großen und kleinen Initiativen und Aktionen. Dabei waren und sind viele Mitstreiter, die auf ihre Visitenkarten hinter ihre oft maritime Berufsbezeichnung ein i.R. setzen können, die also eigentlich im Ruhstand sind.
Was passiert, wenn sich nach mehr als anderthalb Jahrzehnten Ringens Erschöpfung breit macht und alles im Staub der Resignation versinkt?
Das ist zum Glück keine akute Frage, denn es gibt einen neuen Versuch, die maritimen Schätze und Potentiale der Hansestadt aktiv für die eigene Identität der Bürger und für touristischen Attraktivitätsgewinn zu nutzen.
Am 24. Juni 2006 öffnet das ehemalige Schifffahrtsmuseum in der August-Bebel-Straße 1 seine Türen für eine große Schiffsmodellausstellung.
Gezeigt werden bis Oktober über 150 Nachbildungen, die beispielhaft die Entwicklung der Schifffahrt, des Schiffbaus und der Hafenentwicklung in der Hansestadt Rostock und in der Ostseeregion widerspiegeln. Ein Teil der Schau widmet sich dem 50. Jahrestages der Deutschen Marine und dem Standort Rostock, ergänzt durch Modellrückblicke auf die Volksmarine.
Das wird ohne Zweifel ein "Landhöhepunkt" der 16. Hanse Sail vom 10. bis 13. August, wenn Besucher, darunter viele Schiffsmodellbauer und -liebhaber, Gelegenheit haben, diese außergewöhnliche Modell-Zusammen-stellung zu besichtigen.
Zusammengetragen wird hier, was zusammengehört. Zumindest zeitweise. Zu sehen sind Modelle aus dem reichen Fundus des Schiffbau- und Schifffahrtsmuseums, aus dem Büro Hanse Sail, aus dem Besitz von Institutionen, großen Firmen wie Scandlines und DSR und von Privatpersonen. Präsentiert werden Modelle des ganzen Spektrums an Wasserfahrzeugen und aus mehreren Epochen.
Anderthalb Dutzend maritime und andere interessierte Vereine sind bei dem neuen "Modellversuch" dabei, ebenso wie die Hansestadt Rostock, die für das über 150 Jahre alte Haus für die Grundversorgung mit Strom, Wasser und Wärme sorgt. Langjährige Partner der Hanse Sail machen mit, wie z.B. die OSPA oder die Hanseatische Brauerei Rostock, die 20.000 Euro für die Renovierung des Haupteingangs des Schifffahrts-museums zur Verfügung stellt.
Das organisatorische Rückgrat ist der im April 2006 gegründete Trägerverein "Societät Rostock maritim e.V.", der dafür sorgen will, dass das langjährige Museum maritimes Begegnungszentrum für Rostocker Bürger und seine Gäste wird und von den historischen und aktuellen maritimen Taten der Hansestadt künden soll.
Also: Neues Spiel, neues Glück? Nein, es ist kein Spiel und der Erfolg hängt auch nicht vom Glück ab, sondern von der breiten Erkenntnis, dass Kulturabbau und Stagnation nicht zwangsläufiges Schicksal sind, sondern wir Formen finden müssen, durch stärkeres gemeinschaftliches Engagement Dinge zu bewahren, die uns wichtig sind.
Insofern ist die Initiative rings um die "Societät Rostock maritim" mehr als ein Modellversuch.
Klaus-Dieter Block

