Sail-Kolumne
Vom virtuellen Seemannsleben im Herbst
Virtualität ist in aller Munde. In virtuell existierenden Computerwelten kann man in einem Doppelleben und im Unterschied zum wirklichen Dasein reich, berühmt und schön werden. Oder auch zur See fahren. Oder sich zumindest so fühlen als ob.
Der Herbst mit seinen wallenden Nebeln ist seit jeher das Medium für virtuelle Geschichten, vom Klabautermann bis zum „Fliegenden Holländer“. Dass der Nebel zur Hanse Sail 2007 doch eine ganze Menge Besucher abhielt, scheint klar. Aber ist die Nebel-Sail auch dafür verantwortlich zu machen, dass der Besucherandrang auf der Internetseite hansesail.com im Vergleich zu 2006 deutlich gewachsen ist?
Zum Beispiel von knapp 60.000 Usern während der Sail 2006 auf knapp 74.000 zu den diesjährigen vier Sail-Tagen, die insgesamt 1,7 Millionen Seiten der Internet-Präsentation angeklickt haben. Neblig oder verschwommen ist das nicht, was dort zu sehen ist, sondern gut geordnet und informativ und so letztlich wohl auch der Grund für den Zuwachs.
Inwieweit Messen zur virtuellen Welt gehören, ist eine offene Frage. Allerdings oft nur für diejenigen, die sich ihren Träumen vom eigenen Boot oder von der Seereise auf einem Windjammer oder Kreuzliner ewig hingeben. Für jene, die sich ihren Traum erfüllen, wird der Messekauf spätestens im nächsten Sommer oder bei Antritt der Reise Wirklichkeit und ein möglicher Messeschein blättert schnell ab.
Die Hanse Sail war noch nie eine Scheinwelt und so ist sie ein gern gesehener Gast auf den maritimen Herbst- und Wintermessen. Nach langer Zeit steht endlich wieder ein Besuch der „Klassieke Schepen“ im niederländischen Enkhuizen vom 9. bis 11. November auf dem Programm und somit ein Wiedersehen mit den vielen Skippern aus dem Land der Tulpen, die zu den treuen Gästen der Rostocker Sail gehören.
Eine Partnerschaft der anderen Art ist die Kooperation mit der 6. Messe „Boot & Fun“ Berlin vom 22. bis 25.November. Es ist die jüngste maritime Schwester der „hanseboot“ Hamburg und der „boot“ in Düsseldorf. Die Partnermesse des Rostocker Festes wirbt mit dem Slogan „Berlins maritime Großveranstaltung Hanse Sail Rostock“.
Ob die vielfältigen ganzjährigen Marketingaktivitäten des Sail-Büros und des Hanse Sail Vereins ausreichen, um den diesjährigen PRO ROSTOCK AWARD zu erringen, wissen wir spätestens am 19. November. Die Hanse Sail ist 2007 neben dem Rostocker ZOO und der HERO für den Marketing-Oskar nominiert, der vom Rostocker Marketing-Club e.V. für Leistungen mit überregionaler Imagewirkung für Rostock, die Region und das Land ausgelobt wird. Hansa Rostock (2003) und AIDA Cruises (2005) heißen die bisherigen Preisträger.
Norbert Rathge ist ein alter Seebär (69) und er fotografiert. Von beiden Tatsachen kann man sich auf seiner mittlerweile 5. Foto-Ausstellung (bis Ende 2007) in der Flurgalerie des Hanse-Sail-Büros, die Ende der 1990er-Jahre von Peter Rath eingerichtet wurde, überzeugen.
Rathge, der über 42 Jahre die Ozeane auf Handelsschiffen weltweit befahren hat, liebt auch die großen und kleinen Segelschiffe und war als Skipper nicht nur mit eigenen, sondern auch mit „fremden“ Traditionsseglern wie der ATLANTIS, MARY-ANNE oder ROALD AMUNDSEN unterwegs. Und seine virtuelle Bilderwelt kommt der Wirklichkeit schon sehr nahe.
Dagegen ist eine Geburtstagsfeier in virtueller Form schwer vorstellbar und eine ziemlich trockene Sache. Peter Rath wird am 9. November wirklich 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!
Klaus-Dieter Block

