Sail-Kolumne
Lebendige Völkerfreundschaft ohne Quadratwurzel
Die Beziehungen zwischen Polen, Schweden und Deutschen haben eine lange Geschichte mit farbigen, aber auch sehr schwarzen Kapiteln, von denen das jüngste erst ein Menschenalter her ist.

Schweden hält sich seit fast zwei Jahrhunderten zu seinem und zum Glück anderer Völker raus und Deutschland hat in den letzten 60 Jahren viel getan, um seine Schuld abzutragen.
In diesem Buch spielen natürlich auch Russen, Esten, Letten, Litauer, Finnen und Dänen eine Rolle. Aber an dieser Stelle soll es um Schweden und Polen gehen.
Das Königreich Schweden ist das Partnerland der 17. Hanse Sail Rostock, die vom 9. bis 12. August stattfindet. Obwohl durch einen sechs- bis siebenstündigen Seeweg über die Ostsee getrennt, gibt es zwischen der Hanse Sail Rostock und schwedischen Partnern herzliche Beziehungen, die sich nicht nur auf das Händeschütteln beschränken, sondern zu handfesten Aktionen führte und führt.
So gehörte die ostschwedische Hafenstadt Karlskrona zu den Gründungsmitgliedern der Baltic Sail und die HIORTEN wurde hier gebaut. Seit einem Jahrzehnt führt die HIORTEN-Regatta von der schwedischen Hafenstadt nach Rostock und ist hier die maritime Sail-Ouvertüre. Eine Delegation des Hanse-Sail-Büros und -Vereins ist am vorletzten Juli-Wochenende im 700-jährigen Halmstad, um dem neuen Baltic-Sail-Mitglied moralisch zur Seite zu stehen, aber auch um zu gucken und inspiriert zu werden, wie die Westschweden ein maritimes Fest organisieren.
Die schwedische Botschafterin in der Bundesrepublik Deutschland, Ruth Jacoby, gibt im „Hanse Sail Magazin aktuell 2007“ unumwunden zu, dass sie gern Kapitän(in) geworden wäre und findet ausgesprochen warmherzige Worte für die Hanse Sail als ein wichtiges Medium der Völkerverständigung.
Zehn schwedische Traditionssegler kommen zur 17. Sail nach Rostock. Einige Skipper, wie Victor Gottlov von der BALTIC BEAUTY, gehören inzwischen zum vertrauten Kreis der internationalen Hanse-Sail-Familie.
In diesem Kreis ist auch Andrzej Radomski aus der polnischen Hansestadt Gdansk, ebenfalls ein Gründungsmitglied der Baltic Sail. In diesem Jahr steht allerdings Szczecin im Mittelpunkt des maritimen Interesses. Die Hafenstadt unmittelbar an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern ist Zielhafen der „Tall Ships’ Races“.
Auch hier ist am ersten August-Wochenende die Hanse Sail mit einem Informationsstand präsent. Das Flaggschiff der polnischen Traditionssegelflotte, die DAR MLODZIEZY, wird gemeinsam mit der deutschen GREIF ab dem 7. August nach Rostock segeln und die Planken werden zum Treffpunkt für Wirtschaftsleute aus Polen und Deutschland.
Der internationale Markt ist im Stadthafen Rostock ohne die polnischen Partner unvorstellbar. Das wird ganz sicher in den nächsten Jahren so bleiben, auch wenn es zwischenzeitlich seltsame Zwillingsattacken und regierungspolnische Quadratwurzelberechnungen gibt.
Einige schöne, farbige und fruchtbare Seiten im Buch der Beziehungen zwischen Polen, Schweden und Deutschen gehen schon heute auf Kosten der Hanse Sail Rostock.
Klaus-Dieter Block

