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Sail-Kolumne

14.11.2005

150. Rostocker Hafenstammtisch mit Harald Ringstorff

Am 13. Dezember 2005 findet ab 19.00 Uhr im Baltic Point Warnemünde der 150. Rostocker Hafenstammtisch statt. Gast der Gesprächsrunde ist Dr. Harald Ringstorff, Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Das ist nicht nur ein bemerkenswertes Jubiläum, sondern es fällt auch auf einen Termin, der seit jeher etwas Besonders ist: Der 150. ist zugleich der Weihnachts- stammtisch, auf dem traditionell ein prominenter Gast begrüßt wird. Nun also der Landesvater und es ist anzunehmen, dass es auch "platt" zugehen wird. Plattdeutsch, um exakt zu sein. Gemeint ist also nicht die zunehmende Plattheit vieler der inzwischen nicht mehr zu zählenden Talkshows, von denen sich die Rostocker maritime Runde wohltuend unterscheidet.

Wenn der Hafenstammtisch heute durch professionelle Event-Manager auf den Markt gebracht werden würde, wäre er vielleicht eine "Port-Talkshow" und würde das gleiche Schicksal erleiden wie die Begriffe Firmenfeiern oder Betriebsausflüge, die heute "events" oder "incentives" heißen. Aber zum Glück ist der Stammtisch 1993 mit dem altmodischen Namen "Rostocker Hafenstammtisch" begründet worden, nicht zuletzt in Anlehnung an eine beliebte Rundfunksendung zu DDR-Zeiten.

Initiatoren der maritimen Gesprächsrunde waren und sind der Verein der Kapitäne und Schiffsoffiziere und das Hanse Sail Büro. Der Journalist Horst Marx (Foto links) ist von Anfang an dabei und bedient sich bei der Vorbereitung und Moderation souverän aus seinem maritimen Nienhäger Archiv, das in zwölf Jahren Hafenstammtisch noch um einiges dicker geworden ist.

Er wurde in den Anfangsjahren des Stammtisches begleitet von dem zu früh verstorbenen Jochen Wilcken. Hansjörg Kunze, lange Zeit Chefreporter bei Antenne Mecklenburg-Vorpommern, war zwischenzeitlich der zweite Mann. Seit fünf Jahren nimmt Regina Rösler am anderen Ende des Podiums die Gesprächspartner charmant, aber auch kritisch nachsetzend, in die "Zange".

In der Regel am dritten Dienstag im Monat stehen Themen aus der Schifffahrt, dem Schiff- und Bootsbau, der Deutschen Marine, dem Küstenschutz, der Fischerei und vielen weiteren maritimen Feldern zur Diskussion. Über 500 Gesprächspartner aus der maritimen Wirtschaft, der Wissenschaft, der Politik und Kultur saßen bisher im Podium. Mehr als 100 Besucher kommen zu den "normalen" anderthalb stündigen Veranstaltungen. Bei "heißen" Themen oder besonderen Anlässen werden es deutlich mehr und die Stühle werden knapp.

Im Unterschied zu herkömmlichen Stammtischen wird hier vor der Veranstaltung gesungen. Ähnlich wie bei einem Länderspiel, wenn die Nationalhymne erklingt. Beim Rostocker Hafenstammtisch können die Besucher sitzen bleiben und den Shantychor "De Klaashahns", der seit Jahren den Abend eröffnet, summend oder singend begleiten. Sie müssen es aber nicht.

Der Rostocker Hafenstammtisch ist keine Talkshow und eigentlich ist er auch kein herkömmlicher Stammtisch, bei dem vor allem aus dem hohlen Bauch diskutiert wird. Was ist er? Er wird getragen von gut und solide gemachtem Journalismus, bei dem oft komplizierte und scheinbar oder wirklich trockene Themen mit Spannung und Unterhaltung "herübergebracht", aber auch aktuell-brisante Probleme mit gut moderiertem Taktgefühl diskutiert werden. Das macht seine Lebendigkeit aus und es ist zu wünschen, dass diese auch von jüngeren maritim interessierten Besuchern entdeckt wird.

Klaus-Dieter Block